Am Franziskusweg von Rom nach Assisi
In sieben Etappen führte die rund 110 Kilometer lange Route entlang der Via di Francesco durch die vielfältigen Landschaften von Latium und Umbrien - ein Weg der den Körper forderte und die Seele bereicherte.
Bereits in Rom begann bei einem Friedensgebet auf dem Petersdorf oder dem Besuch des Franziskusdenkmals bei der Lateranbasilika die Einstimmung auf das Pilgern, ehe der Weg aus der geschäftigen Stadt hinaus in die Weite des Naturparks Marcigliana führte. Von dort ging es durch Olivenhaine und über sanfte Hügelketten bis zur eindrucksvollen Abtei Farfa, einem der bedeutendsten Klöster des mittelalterlichen Italiens. Die darauffolgenden Tage standen ganz im Zeichen der franziskanischen Spiritualität: Rund um Rieti, den „Mittelpunkt Italiens“, liegen mehrere Einsiedeleien, die eng mit dem Leben des heiligen Franziskus verbunden sind.
Besondere Höhepunkte waren die Einsiedelei von Greccio, wo Franziskus im Jahr 1223 erstmals die Weihnachtsgeschichte mit lebenden Menschen und Tieren darstellte, sowie Poggio Bustone, wo er Klarheit über seinen weiteren Weg fand. Ebenso eindrucksvoll war der Weg durch die wilde Natur des Apennin hinauf zur Einsiedelei Monteluco und schließlich zur Eremo delle Carceri oberhalb von Assisi – einem Ort der Stille, an dem sich Franziskus und seine Gefährten zum Gebet zurückzogen.
Die äußeren Bedingungen waren herausfordernd: Große Hitze begleitete die Pilgergruppe auf ihrem Weg. Doch gerade diese Anstrengung ließ die Gemeinschaft wachsen. Ein fester Rhythmus strukturierte die Tage: das zweimal tägliche Gehen im Schweigen, spirituelle Impulse sowie gemeinsames Singen – unterwegs, in Kirchen und zum Tagesausklang in lauen italienischen Nächten.
Besonders berührend waren die Begegnungen am Weg. In Poggio Bustone traf die Gruppe auf einen Franziskaner, der gemeinsam mit zwei Mitbrüdern, drei Hunden und acht Katzen ein Kloster betreut – eine lebendige und zugleich einfache Form franziskanischen Lebens. Ebenso eindrucksvoll war die Begegnung mit einem jungen Mann in La Foresta - einst eine franziskanischen Einsiedelei, heute leben hier von Sucht betroffene Menschen in der therapeuthischen Gemeinschaft Mondo X. Oder die Kaffeepause bei einer alten Kapelle mitten im Wald, wo ein Aussteiger, der einst selbst als Pilger unterwegs war, schon seit fünf Jahren als Einsiedler lebt. Diese Geschichte gaben Anlass zum Innehalten und Nachdenken über den eigenen Lebensweg.
Mit dem Einzug in Assisi erreichte die Pilgerreise ihren Höhepunkt. Die Stadt des heiligen Franziskus ließ die Eindrücke der vergangenen Tage in besonderer Dichte zusammenkommen. Neben der Franziskus- und der Klarabasilika war für die Teilnehmenden aus dem Seelsorgeraum „Carlo Acutis“ der Besuch der Kirche Santa Maria Maggiore von großer Bedeutung. Dort ist der Heilige Carlo Acutis, der junge "Influencer Gottes", in Jeans und Sneakers aufgebahrt.
Die Pilgerreise von Rom nach Assisi wurde so für viele zu mehr als einer Wanderung: zu einem geistlichen Weg, der noch lange nachwirkt – im Erinnern an die Gemeinschaft, an die Menschen entlang des Weges und an die leisen Spuren Gottes im eigenen Leben.
