Dr. theol. Richard Geier
Bernadette Kalcher führte anlässlich seiner Designierung als Leiter des Seelsorgeraumes zum Heiligsten Herzen Jesu und Pfarrer der Pfarren Grafenschachen, Kitzladen und Pinkafeld ein Interview mit Pfarrer Dr. Richard Geier:
Wie geht’s Ihnen? Können Sie uns etwas über den Entscheidungsprozess erzählen?
Die Passionsspiele laufen sehr gut, es gibt viel positives Echo und ich fühle mich den Menschen in St. Margarethen sehr verbunden. Ich hatte mir vorgenommen, zweimal die Passionsspiele zu betreuen und zehn Jahre sind nun um. Insofern war ich für neue Aufgaben offen, habe aber gleichzeitig aus verschiedenen Gründen – z.B. auch aufgrund meines Alters – überlegt, in St. Margarethen zu bleiben und lehnte daher zunächst die Anfrage des Generalvikars für Pinkafeld ab. Bei einem nächsten Treffen mit dem Generalvikar spürte ich allerdings während des Gesprächs einen Impuls im Herzen: "Du kannst das machen!" In diesem Vertrauen habe ich zugesagt und Gott wird mir helfen, die neue Aufgabe zu bewältigen.
Erzählen Sie uns von Ihrem Werdegang als Priester?
Geboren wurde ich 1961 in Bayern. 1987 empfing ich die Priesterweihe für die Diözese Passau, in der ich anschließend 20 Jahre in unterschiedlichen seelsorglichen Aufgaben tätig war. In dieser Zeit war ich unter anderem für die Umsetzung des Passauer Pastoralplans verantwortlich, der gemeinsam mit Prof. Zulehner erarbeitet wurde. Darüber hinaus absolvierte ich verschiedene Zusatzausbildungen – unter anderem in theologischen Fachbereichen, im Journalismus und in der Krankenhausseelsorge.
Später trat ich als Zisterzienser in ein österreichisches Stift ein und lebte zehn Jahre im Stift Rein. Nach einer Auszeit führte mich mein Weg als Krankenhausseelsorger nach Eisenstadt. Als sich schließlich die Möglichkeit ergab, in der Diözese Eisenstadt mitzuarbeiten, habe ich dieses Angebot sehr gerne angenommen. Schon bald habe ich gespürt, dass Bayern und Burgenländer in vielerlei Hinsicht seelenverwandt sind.
Seit mittlerweile zehn Jahren bin ich Pfarrer in St. Margarethen – und nun freue ich mich darauf, ab September 2026 noch einmal ein neues Kapitel zu beginnen.
Worauf freuen Sie sich in Pinakfeld?
Ich freue mich, dass ich in Pinkafeld und im Seelsorgeraum ein ganzes Team von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden vorfinde, die da sind und auf die man sich verlassen kann. Bisher war ich "Einzelkämpfer", was priesterliche Aufgaben betrifft. Ich bin ein Teamplayer und werde meine Aufgabe darin sehen, die Aktivitäten und Menschen, die da mithelfen, zu moderieren.
Was ist Ihnen als Priester wichtig? Gibt es ein Leitwort, das Ihr Wirken geprägt hat?
Ich verstehe mich als einen Priester, dem die Seelsorge sehr wichtig ist. Mein Anliegen ist es, Menschen in Berührung mit Gott zu bringen – und zwar mit einem Gott, der befreit und den Menschen mit Güte und Liebe begegnet.
Mein Primizspruch, den ich vor fast 40 Jahren gewählt habe, begleitet mich bis heute: "In Jesus Christus ist uns erschienen die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes." (Tit 3,4) Diesem Leitwort versuche ich mein ganzes priesterliches Leben hindurch treu zu bleiben. Ich bin überzeugt, dass es die Aufgabe von uns Christinnen und Christen ist, Jesus unser Gesicht zu geben. Ich möchte versuchen, Jesus in meinem Leben sichtbar werden zu lassen – nicht nur in der Liturgie, sondern vor allem im Umgang mit den Menschen. Deshalb frage ich mich immer wieder: Wie würde Jesus in dieser Situation handeln? Wie würde er den Menschen begegnen, die mir anvertraut sind?
Theologisch hat mich besonders die Aussage beschäftigt, dass das Reich Gottes in uns ist. Ich glaube an den Gott, der in jedem Menschen gegenwärtig ist und sich durch unser Leben ausdrücken möchte. Es geht nicht in erster Linie darum, Jesus zu verehren, sondern ihm Raum zu geben, in uns und durch uns zu wirken. Ein einfaches Gebet begleitet mich dabei seit vielen Jahren: "Wachse, Jesus, wachse in mir!"
Eine große Freude war und ist es für mich, die Botschaft Jesu auch kreativ weiterzugeben. So habe ich zwei Textbücher für die Passionsspiele geschrieben und durfte erleben, wie sich der Glaube auf diese Weise Menschen erschließen kann. Dass ich meine Begabungen einbringen darf, um die Botschaft Jesu in die Sprache unserer Zeit zu übersetzen, ist für mich ein wichtiger Teil meines priesterlichen Dienstes. Dabei ist mir Offenheit besonders wichtig. Ich setze mich gerne mit unterschiedlichen theologischen Positionen auseinander und schätze den ehrlichen Dialog. Kirche lebt für mich davon, dass wir respektvoll miteinander sprechen, einander zuhören und gemeinsam nach dem Willen Gottes suchen. Seelsorge verstehe ich deshalb als eine Begegnung auf Augenhöhe – als eine "herrschaftsfreie Seelsorge", die den Menschen ernst nimmt.
Wenn ich für meinen Dienst in der Pfarre ein Leitwort wählen sollte, dann wäre es ein Satz des heiligen Augustinus: "Für euch bin ich Priester, mit euch bin ich Christ." Dieser Gedanke bringt für mich sehr schön zum Ausdruck, worauf es ankommt: Gemeinsam als Glaubende unterwegs zu sein und miteinander das Evangelium zu leben.
Herzlich Willkommen und Gottes Segen für die neue Aufgabe!
