Bei der Taufe überwiegen oft die Rührung und innere Bewegung der Gemeinschaft über die Aufnahme eines neuen Glieds der Kirche. In der Erinnerung Weg bleiben uns oft Bilder der Kindheit: weiße Kleidchen, Spitze, die Taufkerze und Fotografien mit Paten und Eltern. An das eigentliche Ereignis erinnern wir uns vielleicht gar nicht, wenn wir als kleine Kinder getauft wurden. Manch ein Glücklicher kann sich jedoch an seine Taufe im Erwachsenenalter erinnern.
Die Taufe wird zum Zeichen unserer Kindschaft durch Jesus Christus. Viele fragen sich zu Recht, warum Jesus selbst getauft wurde, da er keine Erbsünde hatte, die hätte getilgt werden müssen. Dieses Ereignis müssen wir im Licht der Gemeinschaft verstehen. Johannes der Täufer wartete auf den verheißenen Erlöser. Tag für Tag taufte er am Jordan. Die Menschen kamen täglich – mit dem Wunsch nach Vergebung, mit dem Wunsch nach Umkehr. Johannes wusste, dass auch der Messias kommen würde und dass Gott ihn ihm zeigen werde. Und er kam – niemand Geringerer als sein Verwandter Jesus. Der Heilige Geist erschien in Gestalt einer Taube, begleitet von der Stimme des Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (vgl. Lk 3,22).
Gott erfüllt seine Verheißungen langsam, entfaltet sie wie ein Gewebe, fügt Fäden hinzu und webt so den Wandteppich des Heils. Als Jesus in das Wasser des Jordan stieg und sich taufen ließ, war das die endgültige Bestätigung, dass Gott gekommen ist, um mitten unter seinem Volk zu wohnen – im Fleisch, bei den Sündern. Er ist gekommen, um mit ihnen Gutes und Schweres zu teilen, wie ein Bräutigam der Seelen.
Jedes weitere Sakrament ist aufgrund der Taufe möglich. Nicht nur, weil sie eine Initiation darstellt, den Eintritt in eine Gemeinschaft, und nicht nur wegen der Vergebung der Sünden – auch wenn all das wichtig ist. Die weiteren Sakramente sind möglich, weil die Taufe metaphorisch gesehen der Kuss Gottes am Beginn unserer Lebensgeschichte ist, unseres Weges mit Ihm. Alle Freunde, Paare oder Familien haben bestimmte Gegenstände, die als gemeinsame Erinnerung an ein besonderes Ereignis dienen. Kein Wunder also, dass Gott für die Feier seines Bundes mit uns das Wasser erwählt hat. Wasser trinken wir jeden Tag, wir waschen uns darin, es dient zur Zubereitung von Speisen; von ihm leben Menschen, Tiere und Pflanzen, für die wir sorgen. Der heilige Franziskus nannte es „Schwester“, wie alle Geschöpfe, für die er Gott dankte. Jeder Tropfen Wasser kann uns jedoch an diese erste Liebe erinnern – an den Moment, in dem alles begann. Im Wasser.
Durch das Wasser kam das Licht der Osterkerze, das Licht Christi, das als kleine, bleibende Flamme in uns weiterlebt und durch das wir einander auch in der Dunkelheit des Lebens erkennen können.
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