Die vierzigtägige Fastenzeit beginnt in diesem Jahr sehr bald, der Fasching ist kurz, Ostern, das größte Fest der Christen, wird früh gefeiert. Die vorösterliche Bußzeit, wie die Fastenzeit heißt, kennt keine Bälle, keinen Tanz, keine Hochzeiten, sie nimmt sich zurück, und es ist gut so. Es tut den Menschen gut, durchzuatmen, bescheidener zu leben, sich den Zwängen zu entziehen und eingeschlichene Gewohnheiten abzulegen. Alle großen Weltreligionen kennen das Fasten, Mediziner raten zum Fasten, eine bewährte Therapie gegen Krankheiten. Leider haben auch die Geldmacher und Scharlatane das Fasten entdeckt, das sie den Leichtgläubigen aufdrängen, um ihre eigenen Säckel zu füllen. Die Kirche hat das Fastengebot immer hochgehalten, nicht, um die Menschen zu gängeln oder sie mit Vorschriften zu überhäufen, sondern, um Heil zu wirken und das Heilige zu schützen und das Leben zu achten. Die Bibel ist voll von Fastengeschichten, im Alten Bund auch von Fastenvorschriften, an die sich gläubige Juden noch immer halten. Von Jesus wird berichtet, dass er in der Wüste 40 Tage gefastet und den Versucher verteufelt hat.
Das alte Mönchtum erzählt von Meistern des Fastens, die Lebensbeschreibungen der Heiligen reden von unmenschlichen Fastenübungen. Der Hl. Benedikt, der Vater des abendländischen Mönchtums, schreibt in seiner Regel: Das ganze Leben der Mönche sei wie eine heilige Fastenzeit. Damit meint er nicht asketische Hochleitungssportler, sondern Mönche, deren Leben auf Gott hin ausgerichtet ist und sich an Christus orientieren soll.
Leider wurde das Große des Fastens oft vergessen, auch von der Kirche. Fasten ist keine Essensvorschrift, kein Rezept, keine Handlungsanweisung für Anstand und Hilfeleistungen. Fasten heißt: Offen sein für Gott, den Hunger nach Gott und nach Leben zulassen.
Wer satt und überhäuft ist, wer sich übersättigt zurücklehnt, wer um sich kreist, wer sich mit Oberflächlichem beglückt, kennt die Sehnsucht nicht, jene nach Gott, nach dem Menschen und nach Leben. Fasten ist keine qualvolle Übung, am Leben vorbei.
Beten, Fasten und Almosen geben, wie es das Evangelium benennt, gehören zusammen.
Wer mit Gott redet, ihn sucht, ihm begegnet, wer sich von vielem verabschiedet, was die Menschen knebelt und bindet, ist offen für die Welt und solidarisch mit den Menschen, auch, wenn sie sind, wie sie nicht sein sollten.
Fasten ist gesund, befreit, macht geistig wach und geistlich offen, meint Umkehr im Leben und Hinkehr zu Gott und bereitet auf Großes und Besonderes vor. Auch vor großen persönlichen Ereignissen, vor Lebensentscheidungen und Lebensfesten fasten die Menschen aller Generationen, weil es frei macht. Und vor Ostern fasten die Christen, weil sie auf das Fest des Lebens zugehen.
Kein Fleisch zu essen, keinen Alkohol zu trinken, nicht zu naschen, nicht zu rauchen, nicht Schlechtes zu sagen oder zu tun, ist noch kein Fasten. Übrigens, auch an den Sonn- und Festtagen der Fastenzeit waren die Fastenübungen den Christen immer untersagt, denn jeder Sonntag ist Tag der Auferstehung des Herrn. Fasten darf nie zu Qual werden. Wer fastet, grantelt nicht, weckt aber Freude und wird frei. Wer fastet, findet den Weg.
Deshalb: Eine gutes, lebensnahes, Gott, die Menschen und das Leben suchendes Fasten ist möglich.
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