Am Fest der Darstellung des Herrn – werden in den Kirchen nicht nur Lichter entzündet, sondern auch Kerzen gesegnet u. Lichterprozessionen gehalten – daher auch der Name Mariä Lichtmess. Am Ende der Feier wird meist auch der Blasiussegen mit zwei gekreuzten Kerzen erteilt. Die Kerze ist das Symbol und die kürzeste Beschreibung dieses alten Marienfestes und dessen, was wir an diesem Tag feiern.
Wir feiern heute Mariä Lichtmess.
Die Lichtsymbolik ist in allen Religionen von grundlegender Bedeu-tung, so auch im Christentum. Hier wird die Herrlichkeit Gottes mit einem unbeschreiblichen Lichtglanz verglichen.
Der Evangelist Johannes braucht für seine Weihnachtsgeschichte nicht die Kulisse von Krippe, Stall, Hirten, Engel und Weisen aus dem Morgenland. Johannes illustriert den Höhepunkt der Heilsgeschichte, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in Betlehem, mit dem Bild vom Licht. Jesus, „das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst … Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (Joh 1,5.9)
Auch der Evangelist Lukas greift die Lichtsymbolik auf, um das Gehei-mnis von Weihnachten zu beschreiben: Jesus wird 40 Tage nach seiner Geburt von seinen Eltern in den Tempel gebracht. Da tritt der alte Simeon auf, er hält das Kind in den Armen und begrüßt in ihm das ersehnte Licht, das die Heiden erleuchtet, weil es den Menschen Licht und Hoffnung bringen soll.
Die gesegneten Kerzen sind Hinweis auf Jesus, das Licht der Welt, das gerade unsere Welt in ihrer Finsternis, Orientierungslosigkeit, Zeris-senheit, Bedrohung und Todesgefahr heute mehr denn je braucht.
Christen wird bei ihrer Taufe mit der Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird, dieses Licht übergeben. Seither sind sie Lichtträger und Kerzen begleiten ihr Leben von der Geburt bis zur letzten Stunde.
Die Taufkerze steht also am Anfang eines christlichen Lebens und ist Sinnbild für den Glauben, der wie ein Licht die Herzen der Menschen erleuchten soll. Sie spielt noch mehrmals im Leben des Christen eine Rolle, bei der Tauferneuerung zur Erstkommunion und zur Firmung.
Die Hochzeitskerze bringt zum Ausdruck: Zwei Menschen wollen in ihrer Liebe Licht füreinander sein und das Leben anderer Menschen, vor allem ihrer Kinder, aber auch der Gesellschaft heller machen.
Die Kerze bei der Professfeier von Männern und Frauen des geweihten Lebens steht für das Licht des Glaubens, das sie an die Menschen weitergeben wollen und für die Treue zu den Ordensgelübden.
Die Wetterkerze erinnert uns, dass Jesus in den Sorgen und Nöten des täglichen Lebens uns Menschen beisteht, uns hilft Angst und Not mit Glauben und Vertrauen zu überwinden.
Die Sterbekerze und die Kerzen an den Gräbern unserer Verstorbenen drücken die Hoffnung aus, dass Gott auch uns in der Dunkelheit des Todes nicht allein lässt, sondern auch uns wie Jesus zur Auferstehung und zum Leben führen wird.
Und schließlich gibt es noch das „Ewige Licht“ in unseren Kirchen in der Nähe des Tabernakels. Es leuchtet bei Tag und bei Nacht – außer am Karfreitag und Karsamstag – und signalisiert die Gegenwart Jesu Christi, der im Sakrament der Eucharistie immer bei uns ist.
Brennende Kerzen symbolisieren Gottes Gegenwart nicht nur in der gemeinsamen Feier der Liturgie, sondern auch beim Beten des Einzelnen. Sie sagen uns, dass Gott da ist und mit seiner Liebe die Herzen der Menschen erwärmen möchte, dass er die Menschen in der Finsternis nicht verlässt, sondern sie von der Geburt bis zur letzten Stunde begleitet – die Kerzen sind das äußere Zeichen dafür!
Wir feiern heute auch den Tag des geweihten Lebens.
Papst Johannes Paul II. hat vor 29 Jahren den „Tag des geweihten Lebens“ am Fest der Darstellung des Herrn eingeführt. An diesem Tag erinnern sich Ordensleute sowie Männer und Frauen des geweihten Lebens an ihre Berufung und erneuern dabei ihr Treueversprechen, Ordensgelübde und Bereitschaft zum Dienst mit einer brennenden Kerze in der Hand. Wir werden dies morgen in unserer Diözese mit den Jubilaren und Jubilarinnen der Ordensgemeinschaften dieses Jahres in Oberpullendorf tun.
Als Hirte danke ich allen Ordensleuten für ihr Glaubenszeugnis, ihre Hingabe und ihren Dienst am Evangelium und für die Menschen unserer Diözese. Ohne das Einbringen ihres Ordenscharismas und ihren Einsatz wäre unsere Diözese nicht nur personell, sondern auch spirituell viel ärmer, wir könnten die vielen pastoralen Dienste sowie die „sakramentale Versorgung“ unserer Pfarren nicht garantieren. Daher nochmals ein großes Vergelt´s Gott an alle Ordensleute, die in unserer Diözese wirken für ihre Hingabe und für ihren Dienst! Und vergessen wir nicht auch für sie und um neue Berufungen zu beten! Der Tag des geweihten Lebens ist aber auch eine Einladung an uns alle, kraft Taufe und Firmung unsere Berufung zu entdecken, ihr zu folgen und unsere Talente und Charismen in Kirche und Gesellschaft einzubringen und mit Hingabe Gott und den Menschen zu dienen. Unsere Taufkerze erinnert uns immer daran und fragt uns, was aus unserem Taufversprechen geworden ist?
Am heutigen Fest der Darstellung des Herrn, auch Mariä Lichtmess genannt und am Tag des geweihten Lebens sind wir wie Simeon in den Tempel-Kirche gekommen, um dem Jesuskind zu begegnen. Ich wünsche Ihnen und mir eine tiefe Begegnung mit dem Jesuskind! Danken wir Gott für das Geschenk des Lebens, der Berufung, für das Licht, das uns in den Dunkelheiten leuchtet, Orientierung und Wärme gibt. Geben wir dieses Licht weiter – die Kerze erinnert daran! Amen.
Ägidius Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt
Foto: Diözese Eisenstadt