Das Buch Exodus des Alten Bundes ist ein zentrales Buch der Heiligen Schrift. In der Osternacht wird verpflichtend aus diesem Buch gelesen, und auch sonst, besonders bei der Spendung der Taufe. Es geht um das Heilswirken Gottes.
Gott führt sein erwähltes Volk durch die Fluten des Roten Meeres und er bringt sie heim in das verheißene Land. Das Überwinden des verschlingenden Wassers wird zum Sinnbild für die Taufe, die den Tsunami der Sünde zurückdrängt und den alten Menschen vernichtet. Zudem ist dieses spannende und lesenswerte Buch eine theologische Deutung, für Gottes Erwählung und Errettung von Anfang bis heute. Es ist ein österliches Buch. Leben wird, wenn dem Verkrustetem, der Versklavung, der Knechtschaft durch die Sünde, der Knebelung des Menschen und seinem Ausverkauf ein Ende gesetzt wird.
Ostern ist der Tod der Sünde, die Errettung aus den Fluten des Verderbens, die Schöpfung des neuen Menschen und die Wahrheit der Verheißung Gottes. Denn Gott hält, was er zusagt. Gott kneift nicht, er erpresst nicht und er lässt sich nicht bitten. Er gibt, weckt Leben und provoziert Zukunft. Er tötet den Feind, den Teufel und das Böse, auch die Fluten, die über uns zusammenschlagen und uns vernichten wollen. Selten stopft Gott die kleinen Löcher, unsere lächerlichen Wünsche erfüllt er kaum, denn Gott ist kein Kleinkrämer und er räumt keine Regale in den Supermärkten unseres Lebens voll. Das zu glauben, ist nicht immer leicht, denn wir sind selbstverliebt, stecken in der Ausweglosigkeit des Bösen und im Überangebot der Uneinsichtigen.
Das Buch Exodus erzählt vom Umgang Gottes mit seinem Volk, den Juden. Mich erstaunt, dass auch unsere Theologen verstummen, wenn es um jüdische Geschichte, eine Heils- und Unheilsgeschichte geht. Das kollektive Schuldbewusstsein, das noch immer auf uns lastet, könnte auch die Nachdenklichen zum Schweigen gebracht haben.
Ob das jüdische Pessachfest, das an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei und an den Durchzug durch das Rote Meer erinnert und die Sonderstellung des jüdischen Volkes, seine einzigartige Erwählung, nicht mit dem ewig spannungsgeladenen Verhältnis zwischen ihnen und den anderen zu tun haben könnte? Die Politik Israels und ihrer Verbündeten machen es nicht schwer, Ähnliches zu denken. Nein, das ist kein Antisemitismus außerhalb der Mauern Jerusalems, wo viele, Palästinenser und Christen ungeschuldet der Siedlungspolitik und ihrer Brutalität weichen müssen. Jedenfalls, mit Gott, der auf die Menschen schaut und seine Schöpfung nie vernichtet, lässt sich dieses Tun nicht begründen. Nicht alles, was Menschen erzählen und anstellen, ist Heilsgeschichte. Gottes Name wird noch immer, meist brutal und verantwortungslos missbraucht, besudelt und mit Blut geschrieben.
Für die Christen ist das Paschafest des Herrn ein universales Fest, die österliche Wirklichkeit Gottes für alle Menschen und für alle Völker. Seine Erlösungstat trifft alle und seine Verheißung gilt allen, auch jenen, die den österlichen Gott, den Gott Jesu Christi noch nicht kennen oder nicht kennen wollen. Österlich glauben heißt nicht Ausgrenzung, sondern Einladung. Sie trifft alle Menschen guten Willens, denn er lässt nicht untergehen.
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