Immer wieder hören wir, dass die Apostel völlig eins waren. Sie waren „ein Herz und eine Seele“, „alles hatten sie gemeinsam“ und „sie verharrten einmütig im Gebet mit den Frauen“. Jesus musste in eine andere Wirklichkeit gehen als jene, die wir „Himmel“ nennen. Eigentlich wollte er alles durchdringen, wenn der Heilige Geist herabkommt. Zwischen der Himmelfahrt Jesu und der Sendung des Heiligen Geistes, warteten sie.
Das Warten ist eine heilige Zeit. Wir stehen mit dem Warten nicht gerade auf gutem Fuß. Müssen wir in der Post oder in der Bank in der Schlange stehen, fassen wir uns an den Kopf. Wenn wir auf Gäste warten, wächst die Gereiztheit. Wenn wir auf unseren Lohn warten, werden wir ungeduldig. Nur selten verbinden wir das Warten mit etwas Positivem.
Mir persönlich fällt es schwer zu warten, bis das Essen fertig ist, wenn ich hungrig bin. Schwer fällt es mir auch abzuwarten, wie sich etwas entwickeln wird, das ich bisher noch nicht erlebt habe. Ich habe Angst, wenn ich mit meinen Vorgesetzten sprechen muss. Aber ich liebe zum Beispiel Warteräume, Bahnhöfe und ähnliche Orte. Deshalb liebe ich auch die Kirche. In einem sakralen Raum ist man nur vorübergehend; man kann sich dort nicht dauerhaft niederlassen, auch wenn man es vielleicht möchte. Orte des Wartens geben uns Zeit, uns zu sammeln, bevor wir weitergehen. Beispiele dafür ließen sich wie Perlen auf einer Kette aneinanderreihen.
Auch die Apostel wurden nach der Himmelfahrt Jesu von einer Mischung aus Angst, Gereiztheit, Erwartung und Staunen erfasst. Sie sahen, wie der geliebte Meister ihren Blicken entschwand – aber nicht, weil er sie verlassen wollte, sondern weil er plante, bei ihnen zu bleiben auf eine Weise, die sie noch nicht erfahren hatten. Wachsamkeit und Vertrauen sind häufige Bilder in der Heiligen Schrift, mit denen die Bereitschaft beschrieben wird, auf Gottes Anregungen zu reagieren. Und in der Zwischenzeit, in der Zeit des Wartens, gibt es viele davon. Wir haben die Gelegenheit, unsere Geduld zu vertiefen und unser Herz für die Umkehr zu öffnen, weil wir erkennen, dass manche unserer Eigenschaften der Liebe zu Gott und zum Menschen im Weg stehen. Die Apostel hatten die Möglichkeit, in der Stille ihrer Herzen darauf zu warten, dass sich etwas in ihrem Leben verwandelt.
Nicht alle warten auf dieselbe Weise. Ich möchte nicht subjektiv klingen, aber vielleicht sind Frauen, im Hinblick auf das Lebens in Zyklen, daran gewöhnt, ständig etwas zu erwarten. Ich glaube, dass diese gottgegebene Natur Maria ebenso wie den wartenden Frauen geholfen hat auszuharren und abzuwarten, was als Nächstes geschehen würde. Die Umwelt weiß um diese Eigenschaft und nutzt sie manchmal auch aus, doch Gott kann gerade durch sie der Welt eine Botschaft senden: Für Wachstum und Entwicklung braucht es Zeit. Über das Erwarten und seine geistliche Symbolik könnte ich eigentlich noch viel ausführlicher sprechen – aber nicht jetzt und hier.
Die Apostel dachten wohl, dass wieder jemand kommen und sie so klar führen würde wie Jesus. Doch nun erforderten die Umstände größeres Vertrauen. Die Liebe zwischen Vater und Sohn sendet eine neue Person, deren Ziel es nicht ist, sich der ersten Kirche aufzudrängen, sondern ihr erkennen zu lassen, dass sie geliebt ist. Und diese Liebe teilt sich, so wie sich auch eine Sprache teilt.
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