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Ein Spatz sein
Datum:
02.07.2026
Autor:
Mag. Eva Marković  

Als ich ein Kind war, nannten mich die Leute oft einen „Hausierer-Spatz“, weil ich gerne durch die Nachbarschaft streifte und beobachtete, womit sich die Menschen in meiner Umgebung beschäftigten, wer sie waren und wie ihre Häuser aussahen. Natürlich geschah das nicht so sehr in der städtischen Umgebung von Rijeka, sondern während meiner Aufenthalte bei meiner Großmutter in Dalmatien auf der Insel Vir. Ich weiß nicht, ob jemand diese Eigenschaft als eine ungute Neugier, entstanden aus Langeweile bezeichnen würde, aber auf jeden Fall sehe ich darin den Beginn meines Interesses an den Menschen, denn später habe ich auch beruflich einen Weg gewählt, der mich durch die Theologie eng mit den Menschen verbindet. Ich möchte erwähnen, dass ich nicht so leicht das Zuhause anderer Leute betrete, aber ich möchte gerne in ihrer Nähe sein, und es macht mich traurig, wenn das nicht möglich ist.
 

Jesus benutzt in seinen Gleichnissen und Beispielen Bilder aus dem alltäglichen Leben, die den Menschen vertraut waren, um ihnen Gott als Person, sein Reich und die gemeinsame Schöpfung verständlich zu machen und nahe zu bringen. Im Matthäusevangelium (10,26–33), als er zu seinen Jüngern über die Nähe Gottes spricht, verwendet Jesus das Bild des Spatzen – dieses kleinen, alltäglichen Vogels, dem wir in unseren Höfen, auf Dächern, Plätzen und in unseren Gärten sehen. In Rijeka, wie in jeder Hafenstadt, jeder Stadt am Meer, lassen sich bestimmte Vogelarten beobachten, die diese Stadt zu ihrem Lebensraum gemacht haben. Wenn ich durch die Stadt gehe, beobachte ich oft die Vögel; da sind Tauben, Möwen und natürlich die überaus anpassungsfähigen Spatzen. Der Spatz war nicht immer ein Hausierer. Diese Bezeichnung hat er sich durch sein Zusammenleben mit den Menschen verdient. Der Spatz begann sich für die Menschen zu interessieren, als er erkannte, dass sie in ihren Häusern Getreide aufbewahren, insbesondere Mehl für Brot und ähnliche Lebensmittel. Der Mensch wurde für den Spatz zu einer Nahrungsquelle.
 

Im Laufe der Zeit entwickelten die Spatzen eine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Nahrungsarten und Lebensbedingungen in Menschennähe und fressen heute fast alles, was auch wir essen, wodurch sie – gemeinsam mit den bereits erwähnten Vogelarten – unsere Umgebung von Abfällen reinigen. Daher überrascht es nicht, dass der Spatz begann, seine Nester in der Nähe von Häusern oder sogar in den Häusern zu bauen. Die Menschen haben ihn nicht vertreiben. Er machte keine große Unordnung, noch war er laut, er wirkte nicht bedrohlich, sondern war klein, braun und sanft, weshalb die Menschen ihn in Ruhe leben ließen Sie fütterten ihn und versorgten neben ihm auch andere Vogelarten, die in der Gegend lebten, mit Futter. Wenn man in Rijeka beispielsweise Tauben füttert, kommen sofort auch Möwen, Spatzen und einige Dohlen – die ganze Truppe.
 

Vögel sind gesellige Tiere; sie leben gerne in Schwärmen, und der Schwarm agiert als Einheit, indem er über verschiedene Arten von Rufen, Gesängen, Bewegungen, Körpersignale und Ähnlichem kommuniziert. Vögel teilen einander mit, wo sich ein sicherer Unterschlupf befindet, wo Nahrung zu finden ist, wohin sie gemeinsam fliegen sollen, kündigen die Paarungszeit an und warnen vor möglichen Gefahren.
 

Eine Zeit lang habe ich häufiger Tauben gefüttert. Heute kommen die Tauben auch dann zu mir, wenn ich nichts anzubieten habe. Die Taube, die zu mir kommt, ist mit Sicherheit nicht dieselbe, die ich vor zwei Monaten gefüttert habe, aber sie verfügen über ihr eigenes Meldesystem, sodass es uns so vorkommt, als würde man, wenn man eine Taube gefüttert hat, gleich den ganzen Schwarm füttern. Denken Sie nicht, dass ich ohne Grund zu Bildern aus der Natur abgeschweift bin. All dies sind Bilder, die uns etwas über uns Menschen und über Gott erzählen. Der Spatz war zur biblischen Zeit eine Speise der Armen. Zwei Spatzen konnte man für eine Münze kaufen. Für zwei Münzen konnte man fünf Spatzen kaufen. Der Spatz galt als koschere Speise, also als Nahrung, die nach religiösen Vorschriften ausgewählt und zubereitet wurde. Ein koscherer Spatz war ein sogenannter Zuchtspatz; wurde ein Spatz gewaltsam gefangen, galt er nicht als koscher. Er wurde auf den Märkten verkauft und baute seine Nester sogar im Tempel von Jerusalem, in der Nähe des Altars. Der Spatz wurde als Opfertier für leichte Vergehen bzw. geringfügige Sünden dargebracht.


Vom Nestbau des Spatzens spricht auch Psalm 84, denn der Beter, der sieht, dass die Spatzen in Gottes Nähe nisten, findet in den Worten Jesu eine Antwort. Darin verbirgt sich eine starke Botschaft. Der Spatz befindet sich „im Schatten Gottes“. Im Schatten Gottes zu sein bedeutet, trotz Schwierigkeiten, Leid und Tod auf eine subtile Weise von Gott beschützt zu werden – als Teil seiner Schöpfung, wie ein Puzzleteil seine eigene Zeit und seinen eigenen Platz zu haben. Im Evangelium, das wir zu Beginn erwähnt haben, wendet sich Jesus an seine Jünger. Er gibt ihnen Motivation für ihre Sendung. Diese beginnt nicht mit falschem Optimismus, sondern mit einem realistischen Blick auf die Wirklichkeit. Er sagt: „Fürchtet euch nicht, vor den Menschen!“ Damit kündigt er Verfolgung an, spendet aber zugleich Trost, denn dieses Leid und diese Verfolgung bleiben Gott keineswegs verborgen. Er warnt sowohl vor dem Bösen als auch vor dem Bösen selbst, dem Widersacher, doch mit seinen weiteren Worten errichtet er gleichsam eine Art spiritueller Isolation um seine Jünger herum. um sie zu schützen. Da Jesus Gott ist, sind seine Worte nicht nur schöne literarische Metaphern, sondern sozusagen kreative Formeln.
 

Der Vergleich der Jünger bzw. von uns mit einem Spatzen ist nicht nur ein Bild, sondern ein Schutz. Wenn Gott die Spatzen und ihren Lebenslauf kennt, das, was ihnen widerfährt und was sie brauchen, wie sollte er dann nicht seine Kinder kennen? Wie sollte er dann nicht wissen, was sie brauchen? Der Abschnitt im Evangelium endet mit einem beinahe schon feierlichen Gelöbnis. Jesus spricht über das Bekenntnis. Wer sich vor den Menschen zu ihm bekennt, zu dem wird auch er sich vor Gott bekennen. Das heißt, er als Sohn bürgt für den, den er sendet, übernimmt für ihn die Verantwortung, aber wir müssen unsere Zustimmung geben, wir müssen auch ihn als den Unsrigen anerkennen. Wie geschieht das? Zunächst durch die Liebe zu Gott in unserem Nächsten. Genauer gesagt, in den alltäglichen Begegnungen, wenn wir Zeugnis ablegen, bringen wir unseren Glauben zum Ausdruck. Wir müssen nichts sagen; manchmal reicht es schon, wie wenn ein Spatz mit anderen Spatzen auf dem Dach sitzt, und sie spüren ihr Sein.
 

Die Vorsehung wirkt dann durch uns, und wir wissen fast instinktiv, wie wir einem anderen Gott zeigen können. Vielleicht durch eine gute Tat, vielleicht durch ein ehrliches Gespräch, vielleicht indem wir uns die Klagen eines anderen anhören, durch das Empfangen der Sakramente, durch das Schenken im Alltag.
 

Spatzen sind miteinander verbundene Tiere. Und auch wir können wie sie Träger der Vorsehung in einer gemeinsamen Sendung sein.
 

Enden werde ich mit einer Anekdote. Als ich noch studierte, ging ich an einem Frühlingsmorgen vor das Fakultätsgebäude und wandte mich der Quelle eines leisen Kreischens in einer Ecke des Hofes zu. Ein Schwarm Spatzen pickte nach einem Brotkrümel und dabei auch gegeneinander, sie stritten, wer das Brot zuerst ergattern würde. Mit dieser Erinnerung lasse ich Sie zurück, damit Sie darüber nachdenken können. Möge es gesegnet sein!

          

 

Foto: Pixabay