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Schule - ein Ort der Bildung?
Datum:
07.09.2026
Autor:
P. Karl Schauer OSB

Das Schuljahr beginnt, für Kinder und Jugendliche, für Eltern und Großeltern, für Lehrerinnen und Lehrer und für viele mehr. Noch hängen die Feriendiskussionen nach, ausgelöst durch die überhitzten Schulwochen im Juni, ohne zu wissen, dass alle Ferienwochen überhitzt sein würden. Immer, wenn es um Schule geht, kommen gegensätzliche Meinungen hoch, ein Zeichen dafür, dass Schule kein fertiges Konzept ist. Ministerium, Bildungsdirektionen, Eltern, Elternvertreter, Lehrende, Betreuer, Nachhilfegebende, sie alle kommen zu unterschiedlichen Denkansätzen. Ob sich die Schüler oder nur ihre Vertreter dafür auch interessieren, wage ich nicht zu sagen.

Schulen sind keine Versuchsanstalten und keine Austragungsorte ideologischer Konzepte. Manche Parteikonzepte sind überholt, andere sind zur Belastung geworden. So spricht man von einem Campus, nicht mehr von der Schule. Nicht alles, was die alte Schule ausgemacht hat, muss heute überholt sein. Manches regt zum Nachdenken an, anderes wird wieder aufleben. Schulgebäude waren einst unübersehbar, gut gebaut und gut gekühlt; die neueren Container-Bauten schaffen einen kurzen Atem und neue Probleme.

In den Schulen waren Dienstwohnungen etabliert für Direktoren und Lehrer, die Schulen waren ihr Zuhause. Die Schüler wurden nicht im Klassenzimmer von den Überbesorgten abgeliefert und vor dem Schultor abgeholt. Kinder wussten um die Freiheit des Schulweges mit allen Umwegen und waren durch Handy und Überwachung nicht an die lange Leine der Eltern gebunden. Die Schule und die Schulwege gehörten den Mitschülern und Freunden, auch den Lehrpersonen, die Vorbilder, Wissende und Weise und meist humanistisch gebildet waren. Die Strenge, auch die Strafen für die Schüler wurden ihnen gerne verziehen und vor den Eltern verschwiegen.

Die Eltern mischten sich nicht in die Lehr- und Stundenpläne ein, sie trauten den Pädagogen. Lehrer und Eltern brauchten noch keine Anwälte und die Schüler keine psychologische Betreuung, obwohl die Lebensumstände härter, die Armut größer, das Leben aber nicht so zerrissen war. Die Empörungen von heute waren  nicht der Umgangston von gestern. Der Fußschulweg war ein Geschenk, lang genug, um zu raufen, zu streiten, miteinander zu reden und geheime Pläne zu schmieden. Für die Hauptschule konnten wir uns das Fahrgeld ohnehin nicht leisten – außer im Winter – täglich mussten 20 km geradelt werden. Und im Internat und Gymnasium hatten wir für die Reinigung aller Räume zu sorgen und mussten kräftig zugreifen. Niemand hat von Kinderarbeit gesprochen, auch wenn wir am elterlichen Hof zu arbeiten hatten, im Stall, im Haus, vom Geschirrwaschen und Boden reiben bis zum Ausmisten von Kuh- und Schweinestall.

Wir lernten mit den Schulmaterialien sparsam umzugehen und konnten nicht alles haben, was schön, auch nützlich gewesen wäre. Schulbücher wurden nicht weggeworfen, sie wurden gekauft und verkauft. Gut eingebunden und geschützt, war ich schon der dritte Besitzer mancher Bücher, die, auch wenn sie im Familienbesitz waren, von mir meinen älteren Brüdern abgekauft wurden.
Wir lernten, was Leben ist und ausmacht. Nicht aus Zwang, nicht nur für die Note, eine gute war ein Geschenk, keine Forderung. Bezahlte Nachhilfestunden, um zu erzwingen, wären nicht leistbar gewesen. Die Elternsprechtage im Gymnasium waren nur Sprechtage für die Mutter, sie konnte weinen, wenn es nötig war. Die Väter waren für Schuldialoge überhaupt nicht zu haben.
 

Manches von gestern sollte man doch nicht vergessen, wenn von Schule geredet wird. Soziale Medien, Handyverbot, Kopftuchverbot, Gewaltdrohungen und Gewalt, Schulterror, Drohungen, zynische Besserwisserei, Überfremdung und Integration, unrealistische Forderungen, Überheblichkeit und Respektlosigkeit, Kränkungen und Krankheitsstörungen, Erfolgsdruck durch die Eltern und schulische Zwänge – das sind nur einige der Wirklichkeiten des schulischen Alltages von heute.
 

Es ist nicht so lange her: Schule und Ausbildung, Lehre und Studium waren das Privileg weniger Kinder und Jugendlicher. Es waren die Orden und ihre Gründer, Frauen und Männer, die den Kindern und Jugendlichen einen breiten Zugang zur Bildung ermöglichten. Ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Eisenstädter Schwestern würde das Land anders aussehen, viele sind durch ihre Schulen gegangen. Es sind die kirchlichen Schulen und Ordensschulen, die angefragt sind und zu wenig Plätze bieten können. Warum das so ist? Wahrscheinlich sind sie doch ein Segen.

 

 

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